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Der prüfende Blick des Handwerks
Rund 180 Gäste waren der Einladung von Handwerk Schleswig-Holstein e.V. zum fünften Sommerempfang in die Business Lounge der Sparkassen-Arena in Kiel gefolgt. Zu den Gästen zählten die Spitzenkandidaten von CDU und SPD zur Landtagswahl 2012 Wirtschaftsminister Jost de Jager und der Kieler Oberbürgermeister Torsten Albig.

Präsident Mietschke und Geschäfts-
führer Brockmann begrüßen
den Festredner Prof. Rainer S. Elkar

Wirtschaftsminister Jost de Jager
spricht sein Grußwort

Festredner Prof. Rainer S. Elkar
Kiel - Ebenfalls begrüßen konnte Präsident Mietschke den neuen Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion, Johannes Callsen, der eine Woche zuvor in das Amt gewählt wurde sowie rund zwanzig weitere Landtags- und Bundestagsabgeordnete aus allen Parteien.
Auch die Kommunale Familie war erstmals durch Kreispräsidenten und Landräte zahlreich vertreten. An diese richtete Präsident Mietschke in seine Rede den Appell, mehr in die Bekämpfung der Schwarzarbeit zu investieren. So zeige der aktuelle Bericht der Ermittlungsgruppe „Schwarzarbeit“ der Kreise Ostholstein, Plön und Neumünster, wie wichtig das kommunale Engagement gegen die Schwarzarbeit in der Fläche sei.
Auch auf den kurz vor der Ratifizierung stehenden Rundfunkstaatsvertrag, ging Präsident Mietschke ein. Er machte noch einmal deutlich, dass die Regelungen zu den Kraftfahrzeugen sowie zur Anzahl der Beschäftigten wirtschaftsunfreundlich und zu mehr Bürokratie führen. Darüber hinaus sei insbesondere das Kfz-Gewerbe überproportional betroffen, da keine vernünftigen Lösungen für Vorführfahrzeuge oder Tageszulassungen geschaffen wurden, kritisierte er.
Das Zentrale Thema der Gegenwart, so Präsident Mietschke, die Sicherung des zukünftigen Fachkräftebedarfs des Handwerks. Das Handwerk habe dieses erkannt. Wörtlich sagte er: „Unsere Betriebe wissen, dass die stetige Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter der beste Schutz gegen einen Mangel an Fachkräften ist. Auch die Imagekampagne des Handwerks soll hierzu einen Beitrag leisten.“
Um noch besser auf die demographische Entwicklung zu reagieren, schlug er eine Neugestaltung des „Bündnisses für Ausbildung“ in ein vor. Heutzutage gehe es nicht mehr darum, einen Mangel an Ausbildungsplätzen zu beheben, sondern es gehe vielmehr darum, einen Mangel an ausbildungsfähigen Jugendlichen zu vermeiden, so Präsident Mietschke. Hier müssten neue Akzente gesetzt werden.
Neben einer stetigen Aus- und Weiterbildung gehöre zur Fachkräftesicherung aber auch, dass eine Gesundheitsvorsorge am Arbeitsplatz stattfinde. An dieser Stelle hob Mietschke die gute Zusammenarbeit der IKK Nord mit dem Handwerk hervor. Das Handwerk im Norden freue sich, so Präsident Mietschke, dass es mit der IKK Nord im Norden noch eine regionale und eigenständige Innungskrankenkasse gebe, in deren Fokus das Handwerk stehe.
An die Landespolitik richtete Mietschke den Appel, den eingeschlagenen Konsolidierungskurs der Landesfinanzen weiter zu verfolgen. Die anstehende Landtagswahl dürfe nicht zum Anlass genommen werden, Wahlkampfversprechen zu machen, die nicht finanzierbar sind. Was mit überschuldeten Staaten passiere, könne derzeit an den internationalen Kapitalmärkten verfolgt werden. Er halte daher Steuersenkungen auf Bundesebene oder ein Aufweichen des Sparkurses in Schleswig-Holstein für nicht zielführend. Wichtiger sei es, auch zukünftigen Generationen Gestaltungsspielräume zu erhalten.
In seinem Grußwort ging Wirtschaftsminister Jost de Jager auf die aktuelle Diskussion um die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland ein. Er sei der Auffassung, dass sich diese auch weiterhin positiv entwickeln werde. Hierzu werde auch die in Deutschland beschlossene Energiewende beitragen, von der nicht zuletzt das Handwerk profitieren werde. Hinsichtlich des künftigen Fachkräftebedarfes sicherte Minister de Jager die Unterstützung der Landesregierung zu. Schleswig-Holstein sei hier auf einem guten Weg, wie u. a. die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge zeige. Ausdrücklich ermutigte de Jager das Handwerk, diesen Weg weiter voranzuschreiten.
Als diesjährigen Festredner begrüßte Präsident Mietschke den Historiker Prof. Dr. Rainer S. Elkar. In einem launischen Vortrag warf Prof. Elkar einem prüfenden Blick auf das schleswig-holsteinische Handwerk. Dabei erläuterte er, welche Rolle das Handwerk in der Geschichte in Schleswig-Holstein gespielte habe, welche es in der Gegenwart spiele und was zu erwarten sei. Er kam zu dem Ergebnis, dass in der Vergangenheit das Handwerk in Schleswig-Holstein im Gegensatz zum Handel und der Landwirtschaft nicht Konjunktur bestimmend war, sondern vom Wohlergehen der Landwirtschaft und des Handels und der Seefahrt abhing. Betrachte man jedoch die wirtschaftliche Entwicklung in der Gegenwart, so brauche sich das Handwerk in Schleswig-Holstein nicht verstecken, sondern könne Selbstbewusst auftreten. Vor dem Hintergrund der unklaren wirtschaftlichen Entwicklung in den kommenden Monaten schrieb er dem Handwerk ins Stammbuch mit besonnener Zuversicht auf die eigene Leistungskraft zu vertrauen und eine Skepsis gegenüber allzu krisenfreudigen Medien an den Tag zu legen. In die Zukunft gerichtet führte Prof. Elkar aus, dass sich das Handwerk insgesamt wenig Sorgen machen müsse. Das Handwerk sei auch durch seine besondere Werteorientierung gut für die Zukunft aufgestellt.
Im Anschluss an die Grußworte und dem Festvortrag wurde bei „Speis und Trank“ in lockerer Atmosphäre weiter über die angesprochenen Themen diskutiert. Insbesondere von den Ehrenamtsträgern des Handwerks wurde die Chance genutzt, in einen engen Austausch mit den anwesenden Politikerinnen und Politikern zu treten. „Genau hierfür soll unser Sommerempfang eine Plattform sein“, fasst Präsident Mietschke abschließend den gelungen Abend zusammen.
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