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Pressemitteilungen

14.03.11 15:51

 

Herbstforum 2010 - Lebhafte Diskussion zur Gesundheitsreform

Kiel – Zu dem Thema „Chancen und Risiken der Gesundheitsreform 2010/2011" lud der Verband Handwerk Schleswig-Holstein am 09. November 2010 in die Herrmann-Ehlers-Akademie nach Kiel ein. Rund 50 Gäste, darunter mehrere Landtagsabgeordnete waren der Einladung gefolgt und konnten eine lebhafte und anspruchsvolle Diskussion verfolgen.

v.l.: OM Peter K. Thomsen,
Dr. Carl Herrmann Schleifer,
Moderator Oliver Grieve,
Ester Rüggen, Ralf Hermes

Als Diskutanten auf dem Podium nahmen, unter der Moderation von Oliver Grieve (Pressesprecher des UK S-H), Ester Rüggen (Abteilungsleiterin bei der Kassenärztlichen Vereinigung), Dr. Carl Hermann Schleifer (Vorstandsvorsitzender der Damp Holding AG), Ralf Hermes (Vorstand der IKK Nord) sowie Peter K. Thomsen (Obermeister der Zahntechnikerinnung) Hamburg/Schleswig-Holstein platz.

In seiner Einführung begrüßte Präsident Mietschke die beabsichtigte Festschreibung des Arbeitgeberbeitrages. Die Entkoppelung führe dazu, dass nicht jeder Anstieg der Gesundheitsausgaben automatisch die Lohnzusatzkosten steigen ließe. Dies sei ein richtiger Schritt, denn in der Vergangenheit hätte sich mit jeder Beitragserhöhung die Wettbewerbsfähigkeit der arbeitsintensiven handwerklichen Betriebe verschlechtert.

Großer Gewinner der Reform sind aus Sicht von Ralf Hermes die Ärzte, die keine Einbußen hinnehmen mussten. Er sei sich sicher, dass die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenkassen weiter aus dem Ruder laufen werden und bald eine Reform der Reform notwendig werde. Der Vorwurf die Ärzte seien der Gewinner wurde von Ester Rüggen vehement zurückgewiesen. Sie kritisierte vielmehr, dass es dem Gesundheitssystem nach wie vor an Transparenz mangele und der Arztberuf stetig unattraktiver für den Nachwuchs werde. Für die Gesundheitshandwerke vermochte Peter K. Thomsen mehr Nachteile als Vorteile durch die Reform erkennen. Insbesondere die Vertragsvielfalt werde immer undurchschaubarer und erfordere von den Betrieben einen immer größeren administrativen

Aufwand, der im Grunde schon jetzt nicht mehr handhabbar sei. Ebenso kritisierte er den Plan, dass die Arbeitgeber künftig für die Durchführung des Sozialausgleichs zuständig seinen. Die Zahlung des Zusatzbeitrages beruhe ausschließlich auf dem Rechtsverhältnis zwischen den Versicherten und seiner Krankenkasse und müsse daher auch von dieser durchgeführt werden. Größter Verlierer der Reform sind aus Sicht von Dr. Carl Herman Schleifer die Krankenhäuser, die erhebliche Einnahmeeinbußen hinnehmen müssen. Auch insgesamt werde die jetzige Reform die gesteckten Ziele nicht erreichen. Langfristig müsse es vielmehr zu einer Verbreiterung der Beitragsbasis unter einer stärkeren Einbindung der Rentner kommen, so Dr. Schleifer. Die Möglichkeit einer Trennung von PKV und GKV müsse intensiv diskutiert werden. Die häufig ins Feld geführte Idee, den Versicherungsumfang der GKV auf eine Grundversorgung zu reduzieren, lehnte er ab. Eine solche Grundversorgung sei politisch nicht umsetzbar, so Dr. Schleifer.

Nach rund eineinhalb Stunden Podiumsdiskussion hatten die Gäste noch die Möglichkeit bei einem Imbiss, die getätigten Aussagen und Einschätzungen weiter zu diskutieren. Insgesamt sei es eine interessante und gelungene Veranstaltung gewesen, so Präsident Mietschke abschließend.