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Pressemitteilungen

23.06.14 09:34

 

Starke Meister für ein starkes Handwerk, hohe Ausbildungsquoten und zuverlässigen Verbraucherschutz

Handwerk SH e.V. und die HWK SH haben sich heute im Kieler Landtag für den Erhalt des Meisterbriefes als qualitätsgebundenen Berufszugang eingesetzt.

Hintergrund ist eine seit geraumer Zeit auf EU-Ebene geführte Debatte über Berufszugangsregelungen. Stapelfeldt: „Wir sind sehr beunruhigt, dass die EU den Meisterbrief oder eine vergleichbare Qualifikation nicht mehr als Voraussetzung ansehen will, um sich im Handwerk selbstständig zu machen.“ Das Ansinnen europäischer Gleichmacherei sei mit Blick auf die Themen Qualität, Wertigkeit oder auch Jugendarbeitslosigkeit und Verbraucherschutz nicht immer sinnvoll. Mietschke ergänzt: „Wir können ja verstehen, dass die EU in allen Mitgliedsländern für gleiche Chancen und Verhältnisse sorgen will. Aber dann möge man sich bitte an jenen orientieren, bei denen ein System erwiesenermaßen erfolgreich funktioniert. Unser duales Ausbildungs- und Qualifizierungsmodell sowie die Strukturen, auf denen es fußt, müssen weiter ausgebaut und gefördert werden. Das gilt auch für unsere Nachbarn der EU.“ Wer sich dem nicht verschreibe, stehe für falsche Reglementierung und fatale Dequalifizierung. Mit dem Ergebnis, dass die Ausbildungsquote sinkt, ebenso die Qualität von Produkten und Arbeitsleistungen im Handwerk.


Übereinstimmend formulieren die beiden: „Ein starkes Deutschland braucht ein starkes Handwerk.“ Grundlage hierfür sei ein „qualifikationsgebundener Berufszugang“. Das bedeutet: Wer im Handwerk selbstständig sein will, muss eine Qualifikation nach der Handwerksordnung vorweisen. Das ist im Normalfall die Meisterprüfung. Zu Recht, finden Mietschke und Stapelfeldt: „Die Meisterprüfung ist Voraussetzung für ein nachhaltiges und qualitätssicherndes Unternehmertum im Handwerk, das Auszubildenden und Verbrauchern gleichermaßen zugute komme.“ Jeder kenne, so Mietschke weiter, das Sprichwort: „Wehret den Anfängen!“ Und genau da setzt das Handwerk in der aktuellen Diskussion an, denn „wir sind gebrannte Kinder: Die Meisterpflicht wurde ja für einige Berufe wie Fliesenleger, Raumausstatter oder Parkettleger bereits aufgehoben“. Man merke heute, in der Praxis wie in der Statistik, dass dies nicht funktioniere. Nach einem kurzfristigen Anstieg der Betriebsgründungen bei zulassungsfreien Gewerben waren bereits 60 Prozent der Betriebe nach nur fünf Jahren wieder vom Markt verschwunden. Was dagegen geblieben ist: ein eklatanter Einbruch der Ausbildungsbetriebsquoten in diesen Gewerken. Stapelfeldt und Mietschke: „Die Qualität des Berufsstandes geht aufgrund solcher Entwicklungen leider zurück. Wir haben immer mehr Ein-Mann-Betriebe, die heute zum Gewerbeamt gehen und morgen anfangen zu arbeiten. Ohne etwas gelernt zu haben. Und die gehen dann auf die Kunden los! Das schadet dem Image der meistergeführten Betriebe in diesen Branchen, aber auch dem Handwerk insgesamt. Die unterlaufen zudem unsere Tarifverträge und machen den Betrieben, die ordnungsgemäß arbeiten, das Leben schwer. In diesen Berufen wird kaum noch jemand Meister, und es wird nicht mehr viel ausgebildet.“


Scharf kritisieren Handwerk Schleswig-Holstein e.V. und die Handwerkskammer Schleswig-Holstein vor diesem Hintergrund einen Antrag der Piraten im Kieler  Landtag, wonach die Meisterprüfung „nicht länger zwingende Vorbedingung für die Führung eines Handwerksbetriebes sein“ dürfe. Mietschke und Stapelfeldt: „Das zeigt ganz klar, dass die Piraten die Thematik nicht verstanden haben.“ Wer ihrem Antrag folge, stehe für weniger Ausbildung im Handwerk, weniger Verbraucherschutz und weniger Qualität. „Das aktuelle Ausbildungs- und  Qualifizierungssystem im Handwerk hat sich bewährt und ist – politisch betrachtet – ein besonders geeignetes Instrument, um in Europa die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen und die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstandes zu sichern“, so Stapelfeldt und Mietschke abschließend.


Dateien:
PM_HSH_HKSH_20.06.2014.pdf